Geschichte der Industriekletterer
Die Industriekletterei in Deutschland entwickelte sich ab den 1980er-Jahren, als Seilzugangs- und Positionierungstechniken aus dem Berg- und Höhlenklettersport erstmals für Arbeiten an Bauwerken und Industrieanlagen genutzt wurden. International – insbesondere in den USA und Großbritannien – waren diese Techniken bereits früher im Einsatz, während sie in Deutschland zunächst rechtlich und arbeitsschutztechnisch kaum geregelt waren.
Ein weithin als Wendepunkt wahrgenommenes Ereignis war die Verhüllung des Berliner Reichstags im Jahr 1995 durch den Künstler Christo und Jeanne-Claude. Für dieses Großprojekt kamen erstmals in großem Umfang speziell ausgebildete Höhenarbeiter zum Einsatz, die komplexe Arbeiten ausschließlich am Seil ausführten. Dieses Projekt machte die Leistungsfähigkeit und Sicherheit der Industriekletterei einer breiten Öffentlichkeit, Behörden und Auftraggebern sichtbar und trug wesentlich zur Akzeptanz dieser Arbeitsmethode in Deutschland bei.
In den darauffolgenden Jahren begann die Professionalisierung der Branche. Es entstanden verbindliche Ausbildungs- und Sicherheitsstandards, unter anderem durch die Gründung des Fach- und Interessenverbands für seilunterstützte Arbeitstechniken (FISAT). Parallel dazu wurden europäische Normen sowie arbeitsschutzrechtliche Regelungen etabliert, die Industriekletterei heute als anerkannte, sichere und technisch vollwertige Arbeitsmethode definieren. Heute sind Industriekletterer fester Bestandteil moderner Instandhaltung, Bau- und Industridienstleistungen.